Ich wurde im Frühling letztes Jahr von meinen Kunstlehrer*innen für die Kulturakademie-Begabtenförderung nominiert und habe beim Auswahlverfahren für das Kunstcamp der Stiftung Kinderland Baden Württemberg teilgenommen, und tatsächlich wurde ich für den 16. Jahrgang der Kulturakademie angenommen.
Das war für mich erst mal eine sehr große Überraschung, nicht nur, weil sich außer mir über 1.400 andere Jugendliche beworben haben und nur 20 Plätze frei waren, sondern auch, weil ich einige Schwierigkeiten mit dem Bewerbungsportfolio-Thema hatte. Die Kulturakademie bietet neben dem Kunstkurs auch Kurse für Literatur, NWT, Musik und IMP an.
Bei der Bewerbung für Kunst kann man zwischen zwei verschiedenen Themen wählen. Entweder man bewirbt sich für den Kurs zu plastischer, skulpturaler und generell räumlich dreidimensionaler Kunst. Dafür sollte man eine Miniaturwelt in einem Schuhkarton bauen. Oder man sendet ein A4-Skizzenheft ein, in dem man sich mit Dingen (also Gegenständen) und ihren Auswirkungen und Beziehungen zu Menschen beschäftigt, und bewirbt sich damit für den eher zweidimensionalen Malkurs. Die Aufgabenstellungen ändern sich jedes Jahr.
Die erste Woche war vor allem fürs Üben gedacht. Alle von uns zehn im Malkurs haben hauptsächlich gezeichnet, also ging es erst einmal darum zu lernen, wie man Dinge malerisch statt zeichnerisch darstellt und die Welt in Flächen statt in Linien sieht. Das war für uns alle sehr herausfordernd und vor allem frustrierend, weil man im Prinzip alle Grundlagen von vorne lernen muss.
In der zweiten Woche durften wir dann frei malen, die Lehrerin war nur noch da, um uns zu unterstützen. Das war wahrscheinlich eine der aufregendsten und gleichzeitig anstrengendsten Wochen meines Lebens. Wir haben zu zehnt innerhalb von vier Tagen um die 70 Bilder gemalt, haben eine komplette Ausstellung auf die Beine gestellt und waren an der Kunstakademie und dem ZKM Karlsruhe.
Wenn du Kunst nicht nur als Hobby magst, bereit bist Neues auszuprobieren und auch mit Rückschlägen bzw. Kritik umgehen kannst, dann ist die Kulturakademie genau das richtige für dich (den letzten Punkt habe ich auch erst dort gelernt). Das Beste ist aber die Erfahrung, mit Gleichaltrigen zusammenzuarbeiten, die alle genauso gut und kunstbegeistert sind wie du. Das Gefühl von Verständnis und Kreativität kann man nicht wirklich beschreiben, man muss es erleben. Ich habe mich noch nie so schnell mit vollkommen fremden Menschen verstanden. In diesen zwei Wochen entwickelt man sich und seine Kunst nicht nur weiter, lernt die Welt aus völlig anderer Perspektive zu sehen und zu denken, sondern findet auch Freunde fürs Leben.


A.K. aus der Klassenstufe 9