Überblick

Prävention am Kant-Gymnasium

Was bedeutet Prävention?

Sprachlich bedeutet Prävention (lat. praevenire) „zuvorkommen“. Präventive Maßnahmen in der Schule suchen gefährlichen Entwicklungen – wie Sucht / Krankheit / Gewaltmissbrauch – bei Heranwachsenden zuvorzukommen. Das Land Baden-Württemberg hat beschlossen, die bislang getrennten Maßnahmen zur Gewalt-, Drogen- und Gesundheitsprävention zu einem einheitlichen Präventionskonzept zusammenzuführen. Das Kant-Gymnasium ist eine von vierzig Pilotschulen, die ihre eigenen Erfahrungen für die Präventionsarbeit an anderen Schulen weitergeben sollen.

Zwei Pfeiler der Prävention

Grundsätzlich unterscheiden wir zwei Pfeiler der Prävention: Zum einen geht es darum, Heranwachsenden ein gutes Gespür im Umgang mit Freiräumen und Grenzen zu vermitteln, damit sie anstehende Entwicklungsaufgaben verantwortlich und unter Abwägung verschiedener Risikofaktoren bewältigen können. Zum anderen möchten wir Angebote machen, damit Lehrerinnen und Lehrer in einer konkreten Krisensituation mit Jugendlichen ihren Handlungsspielraum erweitern und wirksame Maßnahmen einleiten können. Hier kann die institutionelle Zusammenarbeit mit externen Fachkräften wichtig werden.

Vier Ebenen der Prävention

Ein wirkungsvolles Präventionskonzept muss auf allen Ebenen schulischen Handelns implementiert sein, um zu greifen. Es darf sich nicht auf isolierte Einzelmaßnahmen beschränken, sondern muss sich mittelfristig zu einem zentralen Teil der Schulkultur entwickeln. In den folgenden Ausführungen wird beschrieben, welche Angebote, Maßnahmen und Konzepte uns auf den einzelnen Ebenen sinnvoll erscheinen:

1. Schülerebene

Ziel aller Bemühungen auf der Ebene der Schülerinnen und Schüler muss es sein, ein Klima zu schaffen, das eine Begegnung mit Respekt ermöglichen kann und in dem jeder/jede Verantwortung für sich und die Gemeinschaft übernimmt. In einem solchen Klima ist persönliches Wachstum möglich, und die Jugendlichen fühlen sich ermutigt, ihre eigenen Bedürfnisse angstfrei zu artikulieren. Neben der inhaltlichen Vermittlung von Lerninhalten geht es um Persönlichkeitsentwicklung und Reifung der eigenen Standpunkte. Besonders in der Pubertät sind Heranwachsende gefordert, Haltungen zu entwickeln und kritisch zu hinterfragen.
Schon jetzt sind diese Themen in vielfältiger Weise in den Fachunterricht eingebettet. Beispielsweise wird im Fach Biologie der Mensch und seine Gesunderhaltung behandelt, in Klassenstufe sieben wird in Religion das Thema Sucht, in Biologie das Thema Drogen thematisiert. Schülerinnen und Schüler der zehnten Klassen lernen und erleben Empathie in Ihren Sozialpraktika. Externe Fachpersonen führen schon jetzt in verschiedenen Klassenstufen Informationsveranstaltungen durch. Ein engagierter Schüler der Klassenstufe informiert Mitschülerinnen und Mitschüler über den richtigen Umgang mit Daten in sozialen Netzwerken. Wir möchten diese bestehenden Aktivitäten in einem Sozialcurriculum zusammenführen, miteinander vernetzen und gegebenenfalls erweitern.
Schon jetzt können Schülerinnen und Schüler kompetente Einzel-Beratung an unserer Schule in Anspruch nehmen: Beratungslehrer (u.a. Schullaufberatung) und Vertrauenslehrer stehen als Ansprechpartner zur Verfügung. Auch Schüler engagieren sich: Die Streitschlichter des Kant-Gymnasiums helfen bei Auseinandersetzungen.
Wir möchten – durch die Zusammenarbeit mit externen Fachstellen – diese Angebote erweitern: Wenn Schülerinnen und Schüler in ihrem Verhalten auffällig werden, wenn wir beobachten, dass es ihnen schwerfällt, ihr Leben zu meistern, aber auch wenn sie wiederholt Grenzen überschreiten, können wir dieses Verhalten ansprechen und auf die Möglichkeit externer Hilfe hinweisen, gegebenenfalls Jugendliche zu entsprechende Fachstellen begleiten (u.a. AKRM, Frauenberatungsstelle, Psychologische Beratungsstelle). Wir können ihnen so Lebens-Hilfe anbieten, für welche wir fachlich als Pädagogen nicht mehr qualifiziert sind.
In bestimmten Fällen kann es sinnvoll sein, Schülerinnen und Schülern vor der Androhung / dem Vollzug von pädagogischen Sanktionen verbindliche Hilfsangebote zu vermitteln: z.B. die Auflage, drei Besuche bei einer Beratungsstelle nachzuweisen („Hilfe vor Strafe“).

2. Elternebene

Elternbildungskurse, die wir nun schon seit mehreren Jahren in Kooperation mit dem AKRM anbieten, geben Eltern neuen Mut und Kraft für die alltägliche Erziehungsarbeit und vermitteln ihnen neue Impulse im Umgang mit ihren Kindern. Die Schule als Ort solcher Elternbildungskurse stärkt die Erziehungspartnerschaft von Schule und Elternhaus und vermittelt das Gefühl zum Wohle der Kinder an einem Strang zu ziehen. Jeder Kurs umfasst drei Abende unter Beteiligung einer Fach- und einer Lehrkraft. In Zusammenarbeit mit dem Elternbeirat erfolgt die Organisation und Logistik.
Bisweilen kann es sich als hilfreich herausstellen, den Eltern das Angebot einer weiterführenden schulexternen Beratung anzubieten. Frühzeitige, präventive Hilfe ist viel wirkungsvoller und weniger zeitintensiv.

3. Ebene der Lehrerinnen und Lehrer

Nicht immer können Lehrerinnen und Lehrer Jugendliche gezielt und adäquat unterstützen, insbesondere wenn sie mit Sucht, Gewalt oder familiären Problemen konfrontiert werden. Lehrerinnen und Lehrer fühlen sich dabei nicht selten überfordert und hilflos.
Ein wichtiger Bestandteil eines Präventionskonzeptes besteht deshalb in der Schulung von Lehrkräften zum Thema Umgang mit auffälligen Jugendlichen: Wie spreche ich etwas an, was kann ich anbieten? Eine Fallbesprechungsgruppe unter fachlicher Leitung hilft Lehrerinnen und Lehrern neue Wege, Ideen und Inspirationen im Umgang mit solchen Situationen zu entwickeln und so die persönliche Handlungssicherheit zu stärken.
Die Möglichkeit mit externen Fachkräften zusammenzuarbeiten, entlastet Lehrerinnen und Lehrer: Jetzt können sie kompetente Hilfe anbieten, die ihre eigenen Kapazitäten übersteigt. Zugleich können wir bei Jugendlichen Hemmschwellen senken, solche kompetente Hilfe anzunehmen. Die Schule übernimmt hier eine Brückenfunktion; Lehrinnen und Lehrer werden gleichsam zu pädagogischen Streetworkern.

4. Institutionelle Ebene

Jedes Präventionskonzept muss am Leitbild einer Schule erkennbar sein und sich im Verhalten der Lehrkräfte widerspiegeln, um glaubwürdig bei den Jugendlichen anzukommen. Eine Überarbeitung der Schulordnung ist in Arbeit; eine Arbeit am Leitbild der Schule angedacht.
Ein Präventionskonzept muss einfach, nachvollziehbar und transparent sein. Das gilt auch für die Regeln und Konsequenzen, die sich aus einem solchen Konzept entwickeln. Eine Maxime könnte lauten: „So viele Freiräume wie möglich, so viele Grenzen wie nötig“. Auf diese Weise können Heranwachsende lernen, Ihren Handlungsspielraum eigenverantwortlich zu nutzen.
Ein Präventionsteam arbeitet in enger Absprache mit der Schulleitung (und mit Unterstützung eines Präventionsberatungslehrers des Regierungspräsidiums) an der Entwicklung, Fortschreibung und Umsetzung eines Gesamtkonzeptes. Ziel dieser Arbeit ist die Entwicklung verbindlicher Strategien im Umgang mit schwierigen Situationen auf institutioneller Ebene, um die einzelnen Lehrkräfte in ihrer Arbeit durch transparente Vorgehensweisen zu entlasten. Das wird besonders wichtig bei Themen wie Mobbing, Gewalt, Konsumverhalten, massiven Regelverstößen, Vandalismus.

Wie soll das Präventionskonzept weiter ausgebaut werden?

Mittelfristig soll das Thema Prävention in allen Klassenstufen weiter ausgebaut sein.
Wichtig ist es uns dabei, die vielfältigen, bereits vorhandenen Strukturen weiter zu vernetzen und Schritt für Schritt neue zu schaffen.

Unser Ziel ist es, dass die Schüler unsere Schule nicht nur mit einer geistig-intellektuellen Reife, sondern auch körperlich gesund und existentiell erwachsen verlassen. Dieses Ziel kann nur erreicht werden, wenn alle am Schulleben Beteiligen, also Schülerinnen und Schüler, Lehrerinnen und Lehrer ebenso wie die Eltern und die Schulleitung gemeinsam an diesem Ziel arbeiten.

Wir sind daher an Rückmeldungen (und Mitarbeit) zu dieser Thematik sehr interessiert, denn so kann sich die Präventionsarbeit weiter verbessern.